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Die Sammlung Kyriss

Ernst Kyriss hat sich mehr als vier Jahrzehnte mit gotischen Einbänden befasst und in mehr als 50 Städten mehr als 90 Bibliotheken und Archive besucht, dort annähernd 50 000 Bände beschrieben, bibliographisch erfasst und die Einbandstempel durchgerieben.

Sein Arbeitsschwerpunkt lag im süddeutschen Raum, in der Schweiz und in Österreich. Aber auch in Berlin, Bremen, Fulda, Halle, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Merseburg, Rostock und Wolfenbüttel, sowie in Krakau, Olmütz und Prag hat er Bibliotheken besucht.

Und es ist eine reiche Ernte geworden: 20.000 bis 25.000 Blätter mit Durchreibungen sind es insgesamt. Das gesamte Material wurde und wird bis heute in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart in mehr als 400 Mappen aufbewahrt, die nach dem Alphabet der besuchten Städte aufgestellt sind. Das ist die ursprüngliche Ordnung, die sich für Kyriss ganz selbstverständlich aus der jahrelangen Arbeit ergab. Parallel dazu legte er Ringbücher an - heute sind es 113 Exemplare -, in denen die Erschließung des Materials zu verfolgen ist. Als zusammengehörend erkannte Einbände sind hier unter Angabe von Signatur, bibliographischer Referenz, Name der Werkstatt und Abfolge der Stempelnummern festgehalten, die Kyriss für jede Werkstatt vergab.

Das rasch anwachsende Material gab ihm bald Antworten auf die Frage, welche Werkstatt welche und wieviele Stempel verwendete.

Mit einer phänomenalen Gedächtnisleistung, einem stupenden Systematisierungsvermögen und einem an Besessenheit grenzendem Fleiß türmte er schließlich parallel zu den genannten Durchreibungen, die er in den genannten 400 Mappen archivierte, ein Konvolut von 31 Mappen mit mehr als 2.000 Blättern auf, in dem er - nach Werkstätten geordnet - alle Stempel in einer zweiten Durchreibung ohne weiteres bibliographisches Beiwerk zusammentrug. Er musste dazu viele Reisen in bereits besuchte Bibliotheken unternehmen, um einzelne Stempel noch einmal im Original durchreiben zu können.

Der gedruckte und der ganze Kyriss
Ernst Kyriss hat in seinem vierbändigen Werk "Verzierte gotische Einbände im alten deutschen Sprachgebiet" (Stuttgart 1951-1958) 186 Buchbinderwerkstätten vorgestellt, von denen er insgesamt 7088 verschiedene Stempel durchgerieben und zugeordnet hatte. Aus verlegerischen Gründen hat er jedoch nur 1711 der von ihnen verwendeten Einzelstempel und Rollen abgebildet. Die Bände sind nach ihrem Erscheinen zu einem der wichtigsten Arbeitsinstrumente der Einbandforschung des Spätmittelalters geworden.

Gleichwohl repräsentieren sie nur ein Bruchteil der annähernd 2.000 Werkstätten, die Kyriss in größeren und kleineren Gruppen erkannt hat. Und auch diese Zahl muss zunächst noch Schätzung bleiben. Ist jede Gruppe eine selbständige Werkstatt oder Teil einer anderen, vielleicht bekannten Buchbinderei? Kyriss hatte auf viele Fragen noch keine Antwort.

Die veröffentlichten und die noch nicht veröffentlichten Durchreibungen, die Kyriss in den 31 Mappen gesammelt hat, stammen von fast 800 unbekannten Buchbindereien, des weiteren von 66 Klöstern, von 120 namentlich bekannten Buchbindern und 57 Werkstätten mit Initialen und Wappen.

Dazu kommen noch fast 300 weitere Werkstätten aus Nürnberg, Augsburg, Erfurt, Köln, Österreich, Frankreich, Italien, Böhmen, Krakau und Mähren, deren Originaldurchreibungen verloren sind. Von diesen existieren nur Kopien aus den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, fotografische Papierabzüge oder Negative. Es scheint darüber hinaus, dass diese Mappen nicht alle Abbildungen der Stempel aller Werkstätten enthalten. Manche Zusammenstellungen fehlen, ohne dass wir den Grund dafür kennen.

Die herkömmliche und die "interne Kyriss-Zählung"
Die Einbandforschung zitiert z. B. "Kyriss 125: Evangelist" und bezieht sich dabei auf den gedruckten Kyriss. Dort, im ersten Band der Verzierten gotischen Einbände, fügt Kyriss dem Eintrag 125. Evangelist noch den Zusatz Nr. 24 hinzu. Diese Zählung bezeichnen wir als "Interne Kyriss-Zählung". Und als solche taucht sie in der Einband-Datenbank wieder auf und wird künftig zitierfähig sein. Die Zählung des gedruckten Kyriss wird ergänzend beibehalten, bei der Beschreibung der Stempel genannt und ist auch weiterhin recherchierbar.

Angesichts der beeindruckenden Menge unveröffentlichten Materials kommt - vor allem hinsichtlich der nur 1711 publizierten Stempel - für die Erfassung und Erschließung aller Stempel allein die originäre Kyriss'sche Zählung in Frage, der eine eigens entwickelte Struktur zu Grunde liegt.

Unbekannte, also nicht Klosterwerkstätten oder namentlich bekannte Buchbinder, ordnete Kyriss in alphabetischer Reihenfolge, beginnend mit 1 ff. So folgt z. B. auf Nr. 24 "Apostel schreibend" - so die ursprüngliche Form des späteren Evangelisten - mit Nr. 25 "ave maria I" usw. bis Nr. 220 "Zweige in Herzform".

Einzelne Städte und Regionen mit einer größeren Anzahl von weltlichen Werkstätten erhielten Sonderbereiche wie. z. B. Augsburg: die Nummern 251-288, Erfurt 330-360 oder Köln 501-554 etc.

Die bekannten Namen der Buchbinder kürzte Kyriss ab, indem er ein N (für Namen) voranstellte, dann folgte der erste Buchstabe des betreffenden Namens - für Hagmayer z. B. h, dann der zweite Buchstabe, jedoch nicht als Buchstabe sondern als Zahl entsprechend dessen Stellung im Alphabet - hier also 1 - und dann der dritte Buchstabe des Namens: ein g , d. h. bei Kyriss steht "Nh1g" für Johannes Hagmayer. Nach demselben Schema ist das Kürzel für die Werkstatt von Johannes Zoll "Nz14l". Daran schließt sich - getrennt durch einen Punkt - zweistellig die Nummer an, die Kyriss in seinen Mappen für den jeweiligen Stempel oder die jeweilige Rolle gewählt hat.

Bei den Klosterwerkstätten verfuhr Kyriss ähnlich: "b11a" steht für Blaubeuren, "b5n" für Benediktbeuren; gab es mehrere Klosterwerkstätten in einer Stadt, so wurden diese durch einen Appendix gekennzeichnet; dafür wurde der dritte Buchstabe weggelassen: "b1b" steht für Bamberg Benediktinerkloster, "b1d" für Bamberg Dominikanerkloster etc.


Letzte Änderung: 17.10.2008

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